Bayerns großer Coup oder "Wo ist Westfalen?"
Ein Bericht von Simon Aigner
Mit hohen Erwartungen machte sich unser bayerisches Team auf den Weg zum diesjährigen Jugend- und Junioren-ländervergleichskampf in Berlin. Schließlich waren wir so gut besetzt wie in noch keinem Jahr zuvor und nachdem wir 2005 schon in die Nähe der damals drittplatzierten Hessen gekommen waren, sollte es in diesem Jahr unser Ziel sein, endlich den Titel des besten westdeutschen Landesverbandes, also den dritten Platz zu erreichen.
Am 29. September hieß es also "Wir fahren nach Berlin!", besser gesagt in die Kaserne Ahrensfelde nördlich der Hauptstadt. Weil es bei unserer Ankunft schon dunkel war und uns verkündet wurde, die Polizisten auf dem Bundespolizeigelände würden ohne zu zögern schießen, falls sich lebensmüde Bayern nachts außerhalb ihres Gebäudes aufhielten, ließen wir es sein, den anderen Landesverbänden den Schlaf zu rauben und setzten lieber auf die konventionelle Vorbereitung für den nächsten Tag, also gemütliches Abendessen im Restaurant der Kaserne und danach möglichst viel Schlaf.
Ausgeschlafen und vom guten Frühstück gestärkt machten wir uns am Samstag Morgen auf dem Weg ins Wettkampfgelände, einem verfallenen Gebäudekomplex mitten im Wald, noch aus DDR-Zeiten. Von Anfang bis Ende des Wettkampfs war es fast allein unser Team, das Stimmung in die etwas triste Umgebung brachte. Unser wichtigstes Utensil dabei war neben den zahlreichen Kuhglocken, Tröten und Fahnen sicherlich unser Megaphon, mit dem wir uns immer wieder selbst anheizten.
Doch eigentlich wäre das gar nicht nötig gewesen, denn schon alleine die Ergebnisse unserer bayerischen Läufer ließen keinen Platz für schlechte Laune und selbst die Läufer, die an diesem Tag etwas Pech hatten, ließen sich von der guten Stimmung im Team mitreißen. Am Ende dieses Wettkampftages hatte es fast in jeder Kategorie ein Bayer bzw. eine Bayerin unter die ersten sechs Plätze geschafft!
Annkathrin Greiner gewann die Kategorie D12 mit 4 Minuten Vorsprung, in der Kategorie D14 holten gleich zwei Mädels super Punkte für unser Team: Anna Biller auf Platz 2 und Nina Geiger auf Platz 5. Nur 20 Sekunden von Platz 6 entfernt, aber schon auf Platz 8 landete Steffi Lederer und 2 Positionen hinter ihr erreichte Lena Brückner, hochgestartet aus der D12, ebenfalls ein tolles Ergebnis. Damit hatten es alle bayerischen Läuferinnen in der D14 unter die ersten 10 geschafft!
Auch in der Kategorie D16 gab es ein aus bayerischer Sicht hocherfreuliches Ergebnis: Josephine Greiner lief ein tolles Rennen und musste sich nur einer Läuferin knapp geschlagen geben. In dieser Kategorie lagen die Zeiten der besten Läuferinnen sehr dicht zusammen und so verpasste Maria Lange trotz nur geringem Rückstand mit Platz 7 knapp den Auftritt bei der abendlichen Siegerehrung. Unsere dritte bayerische Läuferin in dieser Kategorie, Johanna Scheler, erreichte Platz 10 und damit hatten es auch alle unsere D16-Läuferinnen in die Top Ten geschafft!
Eine tolle Leistung zeigte auch Anna Krämer bei den Damen bis 18, sie lief auf Platz 5 ein. Unsere beiden anderen Läuferinnen in der D18, Alina Jugenheimer und Johanna Greiner, erreichten Platz 16 bzw. Platz 26. Die Kategorie D20 mussten wir leider unbesetzt lassen.
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Dafür gab's bei den Jungs einigen Grund zum Feiern. Valtteri Kolehmainen, eigentlich in der Kategorie H12 aktiv (und dort Bundes-ranglistensieger), holte in der Kategorie H14 den 11. Platz und viele Punkte für unser Team. Nur 2 Plätze dahinter landete Kilian Vernickel. Bei seinem ersten Jugendländer-vergleichskampf schaffte es Lukas Kühne auf Platz 18 und Robin Ohme erreichte im Ziel den 26. Platz.
Bei den Jungs unter 16 erreichte Florian Kerschl mit einem tollen Lauf den 3. Platz, Jakob Krämer und Julian Aigner liefen auf den Plätzen 13 bzw. 16 ein. David Stengel erreichte Platz 21, drei Plätze dahinter lief Fabian Scheler ein. Mehr erwartet hatte sich Benedict Ebneth, er lief auf Platz 29 ein. Clemens Christopher kämpfte sich zu Platz 33 in dieser stark besetzten Kategorie.
In der Kategorie H18 erreichte Sebastian Lange mit einem starken Lauf Platz 4, Simon Aigner landete auf dem 8. Platz. Benjamin Forkel erlief sich in dem schnellen Gelände den 16. Platz, noch vor seinem Vereinskollegen Jan Schmidt, der mit viel Pech nur auf Platz 22 landete.
Dass bei der Siegerehrung an diesem Abend das bayerische Team ausnahms-weise auch in der Juniorenkategorie jubeln durfte, hatten wir Benjamin Vetter zu verdanken. Er erlief sich in einem starken Rennen den 6. Platz. Sebastian Cionoiu, in der Juniorenkategorie hochgestartet, holte mit seinem 13. Platz auch noch wichtige Punkte im Kampf um Platz 3 in der Länderwertung.
Nach diesen tollen Ergebnissen konnte man nun allerdings nicht mehr von einem Kampf um den besagten Platz reden, denn schnell war klar, kein Team könnte ihn uns streitig machen!
Für uns Bayern gab's also einiges zu feiern bei der abendlichen Siegerehrung. Ganz anders erging es dem hessischen Landesverband; der musste sich nämlich sogar ernsthaft Sorgen um Platz 4 machen, denn die Hampelmänner aus Westfalen wollten ihm diesen Platz streitig machen. Das konnten wir als Bayern natürlich auf keinen Fall zulassen, da sich die Jungs und Mädels aus Westfalen ohnehin schon lange unbeliebt gemacht hatten bei uns. Als sich dann auch noch die Hessen auf unsere Seite schlugen, bekam Westfalen wohl kalte Füße und versuchte vergebens, Sympathien beim Thüringer Landesverband zu erhaschen. Nach einer langen "OL-Disco" im Anschluss an die Siegerehrung, bei der sich einige stimmlich dermaßen verausgabten, dass sie danach tagelang "sprachlos" waren, legte sich unser Team brav in die harten Betten um am nächsten Tag den 3. Platz zu verteidigen und Hessen beim Kampf um Platz 4 kräftig unterstützen zu können.
Vor den Staffelentscheidungen am Sonntag fand zunächst der Score-OL für alle Betreuer und für Läufer, die keinen Staffelplatz bekommen haben, statt. Auch wenn es hier keine Punkte für die Länderwertung zu holen gab, waren doch alle hellauf begeistert, als unser Betreuer Ralph Körner als Erster wieder aus dem Wald kam. Auch Christopher Clemens (Platz 15) und Annkathrin Greiner (Platz 32) schafften es, alle Posten während der vorgegebenen Zeit anzulaufen.
Nach dem Massenstart aller ersten Läufer dauerte es nicht lange, bis die ersten Mädchen aus der D14 den etwas abgelegenen Sichtposten erreichten. An der Spitze dabei unsere bayerische Läuferin Nina Geiger, die Steffi Lederer mit zwei Gegnerinnen im Nacken in den Wald schickte. Als dritte Läuferin in der bayerischen D14-Staffel ging Anna Biller auf die Strecke und sicherte sich am Ende einen tollen 3. Platz.
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Noch erfolgreicher war unsere Staffel in der Kategorie D18. Nachdem Josephine Greiner als Erste wechselte, mussten sich ihre beiden Staffelpartnerinnen Anna Krämer und Maria Lange nur den älteren Läuferinnen aus Sachsen geschlagen geben und erreichten am Ende den 2. Platz.
Bei den Juniorinnen mussten sich unsere drei Mädels Alina Jugenheimer, Johanna Scheler und Johanna Greiner mit der durchweg älteren Konkurrenz herumschlagen und erreichten am Ende einen respektablen 8. Platz.
Pech hatte die bayerische H14-Staffel: Als Lukas Kühne nach einem tollen Lauf als erster im Ziel ankam, war der Jubel zunächst riesig bei den Bayern, weil damit wohl niemand gerechnet hatte. Die Siegträume zerplatzten allerdings, als sich Valtteri Kolehmainen, der auf Kilian Vernickel wechselte, einen Fehlstempel leistete und damit die Staffel aus dem Rennen warf.
In der Kategorie H16 sah es zunächst auch nicht vielversprechend aus, als die beiden bayerischen H-16-Staffeln, mit David Stengel und Julian Aigner als Startläufer gleichzeitig, aber mit einigem Rückstand auf ihre 2. Läufer übergaben. Doch unsere "1. Staffel" konnte sich noch einmal kräftig steigern und nachdem Jakob Krämer nach einem guten Lauf auf Florian Kerschl übergab, holte dieser mit der zweitbesten Laufzeit dieser Kategorie den 4. Platz für seine Staffel. Nur zwei Plätze dahinter landete die zweite bayerische H 16-Staffel, in der Julian Aigner, Benedict Ebneth und Fabian Scheler um eine gute Platzierung kämpften.
Sebastian Lange brachte als Startläufer in der H-18 die bayerische Staffel in Führung, die der zweite Läufer Simon Aigner mit einem Fehler wieder vergab und Jan Schmidt hinter den Staffeln aus Sachsen und Thüringen auf die Strecke schickte. Dieser gab den Platz auch nicht mehr her und damit stand am Ende der 3. Platz fest.
Die Juniorenstaffel, in der die zwei H-18-Läufer Benjamin Forkel und Sebastian Cionoiu zusammen mit Benjamin Vetter das bayerische Trio bildeten, war gut im Rennen, als ausgerechnet der Schlussläufer, Sebastian Cionoiu, die Staffel mit einem Fehlstempel disqualifizierte.
Nichtsdestotrotz war auch der Sonntag ein erfolgreicher Tag für das bayerische Team, nicht nur weil wir den westdeutschen Landesverbänden davongelaufen waren, sondern auch weil die Stimmung im Team wie immer ganz oben war. Durch das beherzte Eingreifen unseres Betreuers Ralph konnten wir auch einen versuchten Fahnenklau seitens der westfälischen Wegeläufer kurz vor der Siegerehrung noch verhindern und uns voll darauf konzentrieren, unser Team und auch das hessische gebührend zu Feiern. Und zum Feiern gab es genug: Tolle Plazierungen der einzelnen Läufer bzw. Staffeln und zum ersten Mal den dritten Platz für den bayerischen Landesverband in der Gesamtwertung.
In großem Maße dazu beigetragen haben sicherlich unsere Betreuer, die ein tolles Team zusammengestellt haben, uns nach Berlin und wieder zurück gefahren haben und sich das ganze Wochenende über Super um uns gekümmert haben: Blandine, Claudia, Ralph, Geli und natürlich Katrin, die leider nicht dabei sein konnte, danke dafür! Zum Schluss bleibt nur noch eine Frage: "Wo ist Westfalen?"
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